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InnoTrans Blog

Digitalisierung, städtische Mobilität und die Zukunft der europäischen Eisenbahn

Alles wird digital, warum sollte die Eisenbahn eine Ausnahme sein?

Gastbeitrag Philippe Citroën (UNIFE-Generaldirektor)

Februar 2020

Philippe Citroën (UNIFE-Generaldirektor)
Foto: UNIFE

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der zunehmenden Verstädterung, die ihn noch beschleunigen kann, wird die Digitalisierung des Eisenbahnsektors sicherstellen, dass der Schienenverkehr als umweltfreundlichster Verkehrsträger zum Rückgrat der Mobilität wird. Er wird damit einen Beitrag zum „Green Deal“ leisten, der Teil des Mandats der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, ist. Eines der Ziele dieses im Dezember 2019 vorgestellten Plans besteht darin, bis 2050 75 Prozent des Frachtverkehrs von der Straße und der Luft auf die Schiene und die Binnenschifffahrt zu verlagern. Endkunden, ob Fahrgäste oder Fracht werden die Bahn erst dann bevorzugen, wenn sie die am besten zugängliche und effizienteste Option ist. Dies erfordert die Einführung neuer anpassungsfähiger Bahnlösungen sowie den raschen Einsatz von Zahlungs-, Automatisierungs- und Kommunikationstechnologien, die es den Kunden ermöglichen, den Schienenverkehr als bevorzugtes Verkehrsmittel für ihre täglichen Reisen und Transporte schnell, häufig, kostengünstig und bewusst zu nutzen.

Dies ist von entscheidender Bedeutung, da der Verkehrssektor derjenige Sektor ist, der derzeit die zweithöchsten Emissionen von Treibhausgasen (THG) verursacht, die nur von der Energieerzeugung noch übertroffen werden. Er ist für fast 24 Prozent der europäischen Emissionen verantwortlich. Das Transportwesen ist auch der einzige Sektor, der in den letzten 20 Jahren seine Emissionen auf dem Kontinent gesteigert hat. Der Straßenverkehr ist der größte Umweltverschmutzer, wobei 40 Prozent seiner Emissionen in städtischen und vorstädtischen Gebieten freigesetzt werden. Die Schiene entspricht diesem Trend jedoch nicht.

Die Bahn ist der einzige Verkehrsträger, der seine Emissionen bei gleichzeitig gestiegenen Fahrgastzahlen verringert hat. Mit ihrer hohen Kapazität und den gegenüber dem Straßenverkehr geringeren Emissionen hat die Schiene das Potenzial, Stadt- und Vorstadtgebiete von Millionen von Autos zu befreien, die dort nicht nur erhebliche Verkehrsstaus verursachen, die die Mobilität verschlechtern, sondern auch die für die Gesundheit der Bürger und für unseren Planeten schädlichen Emissionen drastisch erhöhen. Dieser inhärente Wert macht den Eisenbahnsektor zu einem entscheidenden Verbündeten bei den Bemühungen von Präsidentin Ursula von der Leyen und ihrer Kommission, Europa bis 2050 kohlenstoffneutral zu machen.

Investitionen in digitale Systeme

Der Aufbau umfangreicher digitalisierter Schienennetze ist dabei ein realisierbares Ziel. Mit neuen Technologien wie Automatisierung, Big Data, künstlicher Intelligenz und Telekommunikationslösungen der nächsten Generation können wir ein attraktives Mobilitätsparadigma schaffen, das sich auf die Schiene und ihre weit verbreitete Infrastruktur konzentriert. Digitale Lösungen werden es den Nutzern ermöglichen, Fahrten, Routenführung und Reiseplanung auf einfache Weise zu bezahlen und an Haltestellen Lösungen für die letzte Meile zu finden. Sie werden es Europa auch ermöglichen, Dienstleistungen effizient zu planen, die Stadt-, Vorort- und Fernverkehr optimal synchronisieren können, um sie bequemer zu machen als andere kohlenstoffintensivere Alternativen wie beispielsweise Privatfahrzeuge. Dies wird es wachstumsstarken Kommunen ermöglichen, eine erneuerte Stadtplanung zu verwirklichen, um von größerem Wirtschaftswachstum und mehr sozialem Zusammenhalt zu profitieren.

Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, muss die EU einen wirklich interoperablen einheitlichen europäischen Eisenbahnraum schaffen und angemessen in die digitalen Systeme investieren, die dies ermöglichen, und diese Systeme einsetzen. Das weitverbreitete, aber noch nicht flächendeckend eingesetzte ERTMS ist eine Lösung, welche die UNIFE als eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen größeren und nahtlosen Schienenverkehr in den Mitgliedstaaten identifiziert hat. Seine weit verbreitete Nutzung wird die Grundlage für die Einführung künftiger bahnbrechender ERTMS Lösungen wie ATO, ETCS Level 3 oder für die Einführung von Telekommunikations- und Satellitenortungssystemen der nächsten Generation sein, die im Rahmen von Shift2Rail-Projekten entwickelt werden oder bereits entwickelt sind. Diese öffentlich- private Partnerschaft unter der Leitung ihres Exekutivdirektors Carlo Borghini hat bedeutende Fortschritte in Richtung dieser Technologien gemacht und sollte als Shift2Rail II im Rahmen der EU-Forschungsinitiative „Horizon Europe“ ausgebaut werden. Die Genehmigung der Weiterführung des Programms würde dazu beitragen, wesentliche Forschungs- und Innovationsvorhaben zu finanzieren, die zu neuen Technologien führen, die den Schienenverkehr während des laufenden ökologischen Wandels noch effektiver machen werden.

Die UNIFE freut sich auf die Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und den anderen EU-Institutionen während dieses neuen Mandats. Unser Sektor hat viel auf den Tisch zu bringen, da die Kommission einen ehrgeizigen „Europäischen Green Deal“ ausarbeitet, der auch eine Volkswirtschaft schafft, die für die Menschen funktioniert. Unser Verband fordert die politischen Entscheidungsträger auf, mit der europäischen Eisenbahnzulieferindustrie zusammenzuarbeiten, um die Eisenbahn zu digitalisieren und die Vorteile noch stärker in den Alltag der Bürger einzubringen.

Die UNIFE wird auf der InnoTrans 2020 vertreten sein. Informieren Sie sich bei uns über die Digitalisierung unserer Branche, die Zukunft der Stadtbahn und vieles andere mehr.