Navigation | Seiteninhalt | Zusätzliche Informationen

Seiteninhalt

InnoTrans Blog

InnoTrans Convention – zwischen ReStart und Mobilitätsrevolution

September 2020

InnoTrans Convention – zwischen ReStart und Mobilitätsrevolution

Interview mit Dr. Heike van Hoorn (Deutsches Verkehrsforum) und Dr. Ben Möbius (Verband der Bahnindustrie in Deutschland) 

Am 23. September startet die Premiere der digitalen InnoTrans Convention. Die zwei Dialogforen sowie das International Bus Forum werden live im Stream oder als Video on Demand auf der InnoTrans Website zur Verfügung stehen. Im Interview sprechen die beiden Veranstalter Dr. Heike van Hoorn und Dr. Ben Möbius  über die Chancen und Perspektiven der Mobilität.

Welche Lehren können die Politik und die Gesellschaft für die Zukunft der Mobilität aus der Corona-Krise ziehen?

Dr. van Hoorn: Eines hat die Mobilitätsbranche in dieser nie dagewesenen Krise bewiesen: Auf sie ist Verlass! Die Unternehmen der Verkehrs- und Logistikbranche haben die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt, auch unter den schwierigsten Bedingungen wie Grenzschließungen und Nachfrageeinbrüchen. Wichtig ist zukünftig, dass die Zusammenarbeit der Länder untereinander und mit dem Bund besser klappen muss, das zeigt die unterschiedliche Handhabung bei der Ausnahmeregelung zum Sonn- und Feiertagsfahrverbot. Auch die Zusammenarbeit innerhalb der EU muss besser funktionieren. Plötzliche Grenzschließungen dürfen so nicht mehr vorkommen. Die Zukunft sehe ich für den Mobilitätssektor positiv, vorausgesetzt, wir schaffen es, die Rahmenbedingungen dafür entsprechend zu setzen. Also: hohe Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung, neue Technik, Antriebe und Kraftstoffe sowie Bürokratieabbau.

Wieso haben Sie sich für das Thema „Mobilitätsrevolution 4.0: Auf der Schiene aus der Krise” entschieden?

Dr. Möbius: Neue Mobilität, gerade auf der Schiene, ist eine der großen, faszinierenden Zukunftsaufgaben unserer Zeit. Kilmaschutz braucht Clean Mobility. Nun stehen Wirtschaft und Gesellschaft ja weltweit einer weiteren enormen Aufgabe gegenüber: dem wirtschaftlichen Re-Start. Die Bahnindustrie in Deutschland liefert innovative Lösungen für beide Herausforderungen. Wir verzahnen mit Schiene 4.0 bisherige Antagonisten, Klimaschutz und Wachstum – das ist der Kern der Mobilitätsrevolution. Nachhaltigkeit mit Verzicht im Alltag gleichzusetzen, ist für die meisten Menschen nicht das Gelbe vom Ei. Schiene 4.0 ist nicht Verzicht, sondern eine Verheißung. Weil erstmals mehr Mobilität bei fast null Emissionen funktioniert – und das mit industrieller Wertschöpfung in Deutschland und Europa. Und das wird im Alltag konkret erlebbar: Intelligente Infrastruktur, vernetzte Züge sowie alternative Antriebe erlauben eine Mobilität mit ungleich mehr Qualität, mehr Pünktlichkeit, mehr Individualität  – und dies bedeutet mehr Fahrspaß bei weniger Emissio nen. Das ist gut für die Wirtschaft, gut  für das Klima und natürlich gut für die Menschen. Wir können jetzt, bei politischem Rückenwind, die Mobilitätsrevolution 4.0 ins Werk setzen. Genau darum soll es bei unserem Forum gehen.

Was ist Ihr persönliches Programmhighlight bei Ihrem Dialogforum?

Dr. Möbius: Hm. Mein Highlight ist eigentlich die Grundphilosophie des Forums. Es geht nicht um Showeffekte, sondern um das konstruktive Zusammenspiel zwischen Politik und Mobilitätsexperten sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. So wollen wir mit unserem Forum Vision und Realität ein Stückchen näher zusammenbringen – oder zumindest zeigen, wie es gehen könnte. Die Politik setzt für den nachhaltigen Wirtschaftshochlauf und effektive Klimaschutzstrategien zunehmend auf die Schiene – mit Recht. Was sind die Zukunftsbilder der Politik und der Bahnindustrie für den Verkehrssektor?  Der ist ja insgesamt leider noch immer Klimasünder mit seit 1990 sogar steigender Emissionsbilanz. Aber mit sauertöpfischen Reden kommen wir keinen Schritt voran. Mit Innovationen der Bahnindustrie in Deutschland schon. Weil die zu Angeboten beitragen, die Menschen überzeugen, gern auch begeistern. Unsere Experten werden Lösungen für Herausforderungen präsentieren und einen spannenden Einblick geben in die Mobilität von morgen. Eine Preview der Schiene der Zukunft quasi.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage und die Perspektiven der Mobilitätsbranche global ein?

Dr. van Hoorn:  Die Lage hat sich in Deutschland und in der EU nach dem Ausbruch der Pandemie verbessert. Dennoch leidet besonders der Verkehrssektor unter den Folgen. Viele Unternehmen sind exportorientiert aufgestellt und hängen von der globalen Nachfrage ab, etwa die Hersteller im Automobil- oder Bahnbereich oder auch der Luftverkehr. Global sieht die Lage noch nicht gut aus. Gerade die USA sind ein großes Problem. Langfristig wird es zu einer Erholung kommen. Dennoch kann die Krise bewirken, dass sich Verkehrsströme auf Dauer ändern. Vielleicht werden später nicht mehr so viele Dienstreisen absolviert wie vor der Krise.

Dr. Möbius:  Fraglos ist die aktuelle Lage insgesamt ernst. Die Krise hat dem Mobilitätssektor einen heftigen Dämpfer gegeben. Teils auch unserer Industrie. Vor allem im globalen Export, der für uns so wichtig ist, sehen wir schwierigen Zeiten entgegen, weil öffentliche Investitionen verschoben werden. Dagegen ist der Markt in Mitteleuropa sehr stabil. Ein Megatrend wird nach meiner Überzeugung bleiben: Immer mehr Menschen möchten besonders klimaschonend reisen. Es gilt nun, vorsichtig zu agieren, das Vertrauen der Fahrgäste zurückzugewinnen und mit einer attraktiven Angebotsstrategie von der Schiene zu überzeugen. Für dieses Ziel ist der politische Wille entscheidend. Den sehen wir. Die Bahnindustrie in Deutschland steht als exzellenter Technologiepartner bereit für die Umsetzung.

Worauf freuen Sie sich zur InnoTrans 2021 besonders?

Dr. van Hoorn:  Ich freue mich vor allem, hoffentlich wieder in persönlichen Kontakt mit den Besuchern und Ausstellern der Messe zu kommen. Dieser Kontakt ist durch nichts zu ersetzen. Dort werden wir als DVF auch mit zwei Foren vertreten sein und spannende Themen diskutieren.

Dr. Möbius:  Ich freue mich persönlich auf die überwältigende Bandbreite an Innovationen, die unsere Industrie international – trotz Krise – zu bieten hat. Auf die Future Mobility in all ihren Facetten. Und auf den persönlichen Austausch mit unseren Kollegen, Kolleginnen und Partnern aus aller Welt. Das macht die InnoTrans als Leitmesse unserer Industrie so unvergleichlich, auch oder gerade in Zeiten wie diesen.