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InnoTrans Blog

Tunnel verbinden Welten

Juni 2020

Zwei Schildmaschinen für den Albvorlandtunnel (Foto: Herrenknecht)
Zwei Schildmaschinen für den Albvorlandtunnel (Foto: Herrenknecht)

Wer hat’s erfunden? Die Schweizer! Der Gedanke mag sich bei Eisenbahntunneln aufdrängen, stimmt aber nicht.

 

Zwar gibt es in der Schweiz mehrere große, teils bereits abgeschlossene oder aber noch im Bau befindliche Tunnelprojekte – der Gotthard-Basistunnel als weltweit längster Eisenbahntunnel hat hier sicherlich Maßstäbe gesetzt, tatsächlich aber wurde bereits 1836 der erste Eisenbahntunnel in Betrieb genommen: in der damaligen preußischen Provinz Sachsen auf der Tollwitz-Dürrenberger Eisenbahn, in Spurweite 585 Millimeter. Wie schon damals gelten Tunnelbauwerke auch heute noch als bautechnisch besondere Herausforderung. Nicht nur geologische Eigenheiten inklusive unvorhergesehener Überraschungen im Bau, sondern auch die häufig schwierigen Randbedingungen beim Zugang zur Baustelle und deren Versorgung mit den benötigten Materialien erschweren die Arbeit.

Nicht zu vergessen: Für das maschinelle Auffahren der Tunnelröhren werden gigantische Tunnelbohrmaschinen mit mehreren Metern Durchmesser benötigt. Pioniergeist gezeigt und Maßstäbe gesetzt hat hierbei die 1977 gegründete Herrenknecht AG aus der Kleinstadt Schwanau im Südwesten Deutschlands.

 

Vier Damen geben den Takt vor

In Deutschland und den umgebenden Ländern soll sich mit Stuttgart 21 und den dazugehörigen Projekten vieles im Bahnverkehr ändern. Schwieriges Terrain und diverse Tunnel sind Bestandteil des Bahnprojekts Stuttgart – Ulm. Das unterteilt sich in die Großprojekte Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen – Ulm. Alle maschinell vorzutreibenden Tunnel konnten innerhalb von nur fünf Jahren zügig aufgefahren werden. Dafür maßgeblich verantwortlich waren Suse, Sibylle, Wanda und Käthchen, wie die traditionell mit Frauennamen versehenen Tunnelbohrmaschinen der Herrenknecht AG heißen. Im Resultat sind nun die rund 50 Kilometer der Schlüsselbauwerke Filder-, Albvorlandund Boßlertunnel bereit für die nächsten Baumaßnahmen. Eingesetzt im Fildertunnel nahe Stuttgart war Suse, eine umbaubare Multi-Mode-Tunnelbohrmaschine mit 10.820 Millimetern Durchmesser, im Albvorlandtunnel hingegen Sibylle und Wanda, zwei baugleiche EBP-Schildmaschinen mit je 10.820 Millimetern Durchmesser von Süden beziehungsweise Norden kommend zum Einsatz. Im Boßlertunnel arbeitete sich die EBP-Schildmaschine Käthchen mit 11.340 Millimetern Durchmesser rund 8,8 Kilometer bis ins Ziel.

Die Herrenknecht-Tunnelbohrmaschinen waren und sind nicht nur in Schwaben, sondern auf der ganzen Welt im Einsatz: unter anderem beim Bau des Eurasia-Tunnels, der durch den Bosporus Europa mit Asien verbindet, im Gotthard-Basistunnel als längstem Eisenbahntunnel der Welt oder in Doha (Katar), wo zeitgleich 21 Schildbohrmaschinen beim Bau der Metro eingesetzt waren.

Bevor jedoch Eisenbahntunnel Städte und Länder, wie beim geplanten Fehmarnbelt-Tunnel, oder Kontinente miteinander verbinden können, braucht es neben Wissen und Erfahrung eine Vielzahl zu beachtender Details in Planung, Ausführung und technischer Ausrüstung.

 

Herrenknecht  Halle 5.2 | 820