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InnoTrans Blog

InnoTrans unterstützt digitalen Austausch

Mai 2020

Interview VDB/DVF
DVF-Geschäftsführerin Dr. Heike van Hoorn und Dr. Ben Möbius, VDB-Hauptgeschäftsführer (Quelle: DVF & VDB)

Im aktuellen Interview sprechen DVF-Geschäftsführerin Dr. Heike van Hoorn und Dr. Ben Möbius, VDB-Hauptgeschäftsführer, über ihre Ziele für die digitale Convention, die im September 2020 stattfinden wird.

Die InnoTrans wurde von September 2020 auf April 2021 verschoben. Herr Dr. Möbius, Ihr Verband, der Verband der Eisenbahnindustrie in Deutschland (VDB), sowie das Deutsche Verkehrsforum e.V. (DVF) planen für den Herbst nun ein digitales Programm. Welchen Stellenwert hat diese Art der Kommunikation auch in Zeiten der Krise für Ihre Branche?

Dr. Möbius: Sehr hohen. Die, schmerzliche, aber absolut richtige Entscheidung, die InnoTrans auf das kommende Jahr zu verschieben, unterstützt der VDB voll und ganz. Nun muss die Messeverschiebung aber nicht bedeuten, dass das komplette Programm im Herbst von der Bildfläche verschwindet. Klimaschonende, digitale und vernetzte Mobilität verliert ja durch die Krise nicht an Relevanz, ganz im Gegenteil. Denn die Clean Mobility der Zukunft zusammen mit Partnern in aller Welt realisieren – das ist der Spirit der InnoTrans und das bleibt unser Auftrag. Deshalb unsere Idee: Warum nicht den traditionellen Messetermin dieses Jahr nutzen für digitale Kommunikation? Um also mit Kunden weltweit zu sprechen, um Vertrauen der Fahrgäste zu gewinnen und um der Politik als starker Partner für Clean Mobility zur Seite zu stehen. Ich bin übrigens überzeugt: Die Marke InnoTrans ist so herausragend, dass sie auch digital exzellent funktioniert. Dieses Potenzial möchten wir im Herbst für die Innovationen und Anliegen der Bahnindustrie in Deutschland nutzen.

Frau v. Hoorn, Sie bieten Ihre InnoTrans Foren am 23. und 24. September, zum ursprünglichen Termin der InnoTrans 2020, digital an. Was hat Sie als DVF dazu bewogen?

Dr. v. Hoorn: Die Corona-Krise hat alle Unternehmen, insbesondere Messeveranstalter, unvermittelt und hart getroffen. Aber gerade jetzt können wir beweisen, dass wir für unsere Kunden und Mitglieder trotz Kontakt- und Versammlungsverbot präsent sind und einen Mehrwert bieten. Die Digitalisierung macht es möglich. Daher haben wir es ausdrücklich begrüßt, dass die Messe Berlin die wichtige internationale Leitmesse InnoTrans nicht komplett abgesagt hat, sondern den Mut hatte, diese auf den April des nächsten Jahres zu verschieben. Da aber der September für die Schienenbranche der traditionelle Monat für die InnoTrans ist, möchten wir mit unseren Foren ein Zeichen setzen. Großartig, dass die Messe Berlin hier mitzieht und dies unterstützt!

Wie genau funktionieren die digitalen Foren?

Dr. v. Hoorn: Mittlerweile haben wir im DVF reichlich Erfahrung mit Webinaren und Videotalks als Veranstalter gesammelt. Diese werden übrigens hervorragend angenommen, sei es von unseren Mitgliedern, Stakeholdern oder Pressevertretern. Wir alle bleiben so auf dem Laufenden und vor allem in Kontakt. Wir möchten unsere beiden Branchenforen als Videotalk anbieten. Wie gewohnt, können die Zuschauer eine spannende Diskussion der Podiumsteilnehmer verfolgen. Selbst Fragen können, ohne vor Ort zu sein, über ein weiteres Tool ans Podium gerichtet werden. Wir hoffen auch hier auf eine hohe Teilnehmerzahl.

 

Welche Ziele verfolgen Sie mit einem digitalen Angebot und welche Zielgruppe möchte Sie damit ansprechen?

Dr. Möbius: Im Grunde drei Ziele:

Erstens, gerade in Krisenzeiten ist der Austausch mit unseren Partnern weltweit essentiell. Deshalb soll ein digitales Forum im Herbst dem fachlichen Austausch dienen. Online Produktdarstellung, Fachforen mit internationalem Publikum, das Gespräch zwischen Kunden und Herstellern - all das wird dazu beitragen, unsere gemeinsame Mission Mobilität der Zukunft weiter voranzutragen. Ich weiß, digitale Formate sieht mancher Messe-Kenner eher als Beiboot. Aber wir wollen zum Ausdruck bringen: Unsere Industrie bleibt handlungsfähig, sie bleibt innovativ - und sie blickt nach vorne.

Zweitens soll der Dialog mit der Politik im Fokus stehen. Auch, aber nicht nur in der Krise hat die Bahnindustrie hohe strategische Bedeutung für unser Land wie für die EU. Im zweiten Halbjahr 2020 obliegt Deutschland ja die europäische Ratspräsidentschaft, Klimaschutz ist ganz oben auf der Agenda. Mit Recht. Denn es darf doch nicht angehen, dass mancher nun die Corona-Wirtschaftskrise auf Kosten des Klimaschutzes glaubt bewältigen zu müssen. Man kann nicht eine Krise bekämpfen, indem man eine andere verstärkt. Deshalb: Konjunkturhochlauf und Klimaschutz verbinden. Wir wollen zeigen, wie das praktisch geht.

Drittens können wir nie früh genug auf unsere Weltleitmesse hier in Berlin aufmerksam machen. Das digitale Angebot soll also auch eine Art Amuse-Gueule sein für die InnoTrans im April 2021.

 

Welchen Themenschwerpunkt möchten Sie für Ihr digitales Programm setzen?

Dr. Möbius: Es wird, glaube ich, um Details gehen und offenen Diskurs. Wie zum Beispiel können Innovationen der Bahnindustrie den Gesundheitsschutz im öffentlichen Personenverkehr weiter erhöhen? – Warum und wie muss ETCS jetzt ganz schnell kommen? - Alles zahlt letztlich ein auf unsere Kernfrage: Wie kann die digitale Schiene den Re-Start der Konjunktur mit dem Hochlauf der Klimatechnologien verzahnen? –Die Bahnindustrie liefert Lösungen für zwei große Krisen unserer Zeit: Die Klimakrise, aber auch die Corona-Krise. Innovationen sind eine gute Antwort auf beide Herausforderungen. Denn wer jetzt investiert in emissionsfreie, digitale Mobilität, etabliert eine neue, nachhaltigere Wirtschaft.

 

Die Mobilität befindet sich gerade in der aktuellen Lage in einer spannenden Phase der Transformation. Welche Themen haben Sie ausgewählt?

Dr. v. Hoorn: Für uns als DVF und damit als Mobilitätsbranche ist es enorm wichtig, dass wir trotz der tiefgreifenden Krise nicht nachlassen, die Innovation und Modernisierung unseres Sektors voranzutreiben. Das ist unter Wettbewerbs-, Industrie- und Umweltgesichtspunkten wesentlich für unsere Gesellschaft. Daher darf auch die Bundesregierung ihre Investitionsvorhaben nicht kürzen, obwohl die finanziellen Belastungen aus der Corona-Krise so enorm sind. Investitionen im Verkehrsbereich zahlen auf unsere Zukunft ein. Daher lautet unser erstes Thema „Investitionshochlauf planvoll und zügig nutzen – für ein digitales und erweitertes Schienennetz“. Im Hinblick auf das International Bus Forum möchten wir einen Blick auf den E-Bus und seine Einbindung in die Mobilitätskonzepte werfen. Ein wirklich sehr spannendes Thema, das Potenzial für kontroverse Diskussionen hat.

 

Die Idee von einer digitalen Convention stieß in der Branche auf großes Interesse. Welchen Mehrwert erhoffen Sie sich, auch hinsichtlich Ihrer Foren auf der InnoTrans 2021?

Dr. v. Hoorn: Wir sehen das Format als Preview, als Schaufenster auf die eigentliche Messe, auch um die Vorfreude auf ein persönliches Wiedersehen der gesamten Branche einige Monate später zu wecken. Eins ist schließlich sicher: diese weltumspannende Krise wird vorübergehen und wir werden möglicherweise mit einem etwas anderen Blick die Zukunft gestalten, aber wir werden die Zukunft gestalten. Die Themen Innovation, Klima- und Umweltschutz und Mobilität bleiben uns erhalten.

 

Zum Abschluss lassen Sie uns doch einmal in die Zukunft schauen. Welche drei Aspekte werden sich aufgrund der Lehren aus der aktuellen Pandemie für die Mobilitätswirtschaft prägend verändern?

Dr. v. Hoorn: Das ist ein Blick in die Glaskugel. Ich persönlich glaube, dass wir vor allem eines viel mehr zu schätzen wissen: was Freiheit und damit untrennbar verbunden Mobilität bedeuten. Zu hoffen ist, dass die Menschen eine gewisse Dankbarkeit empfinden für die Errungenschaften der Verkehrsbranche. Denn ohne Mobilitätsangebote würden keine Lebensmittel, Arzneien und Ärzte dort sein können, wo sie gebraucht werden. Die Mobilitätsbranche hat bewiesen, dass auf sie Verlass ist!