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InnoTrans Blog

Der Herr der Gleise

April 2021

Hat in mehr als 20 Jahren schon vieles erlebt – Anschlussbahnleiter Klaus Seipold
Hat in mehr als 20 Jahren schon vieles erlebt – Anschlussbahnleiter Klaus Seipold

Ein Blick hinter die Kulissen des Gleis- und Freigeländes

Es ist jedes Mal ein absolutes Highlight eines jeden InnoTrans-Besuchs – das Gleis- und Freigelände. Auf 3.500 laufenden Metern Schienen bewundern Fachbesucher an jedem Messetag Mobilitätsinnovationen aus aller Welt. Doch hinter dieser weltweit einmaligen Attraktion steckt einer, der in InnoTrans Kreisen liebevoll „Anschlussbahnleiter“ genannt wird und der auch privat eine Affinität zu den Schönheiten auf den Gleisen hegt. Es erfordert eine Menge harter Arbeit und präzise Planung. Seit mehr als 20 Jahren bewegt Anschlussbahnleiter Klaus Seipold die Fahrzeuge auf den Gleisen, die die Welt bedeuten.

Wie lange dauert es, bis die Züge schlussendlich auf dem Gleisgelände stehen?

Klaus Seipold: Im Zuge der Vorplanung wird mit den Ausstellern, unseren Vertragsspediteuren und DB Cargo als Eisenbahnverkehrsunternehmen weit im Voraus für die Zugzuführungen die Umsetzung der Anlieferung der Exponate abgestimmt. Viele der Exponate kommen von sehr weit her, da benötigt der ein oder andere Aussteller schon mal locker zwei bis drei Monate, um sie pünktlich nach Berlin zu bringen. Für die Zugzuführungen zur InnoTrans selber sind drei Tage vorgesehen. Am ersten Tag werden die Gleise 6 – 11 auf dem Parkplatz P18 bestückt, am zweiten Tag die Gleise im Hofbereich und am dritten Tag die Gleise 1 – 5. Zusätzlich ist der letzte Aufbautag der InnoTrans noch als Reservezeitraum vorgesehen. Vor den Zugzuführungen sind weitere drei Tage für die Anlieferung und Abladung von Exponaten geplant, welche per Straßenanlieferung zugeführt werden und mittels riesiger Kräne oder Rampen auf den Freigeländegleisen oder auf temporär installierten Gleisen positioniert werden.

Im Laufe Ihrer Zeit bei der InnoTrans haben Sie bei der Bestückung des Gleisgeländes einiges erlebt. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Klaus Seipold: Ein asiatischer Aussteller erlaubte das Umsetzen per Rangierlokomotive seiner fast 100 Tonnen schweren Lok nicht. Sie wurde mit Muskelkraft per Hand verschoben, wobei alle Beteiligten weiße Stoffhandschuhe tragen mussten. Eine solche Sorgfalt unserer Aussteller für ihre Exponate kommt häufiger vor. Fünf Tage vor der InnoTrans wurde einmal eine Lokomotive aus Tschechien mit einem Schwertransport auf das Messegelände geliefert. Der technische Mitarbeiter des Herstellers hielt sich während der kompletten Aufbauzeit in der Lokomotive auf und ließ das Exponat nicht aus den Augen. Doch manchmal ergibt sich auch der umgekehrte Fall: Einmal erwarteten wir die Anlieferung eines Güterwagens per Zug vom Sammelbahnhof Wustermark, doch dieser kam einfach nicht. Er schien sich förmlich in Luft aufgelöst zu haben. Der Verbleib blieb auch nach Tagen weiter unbekannt. Einige Wochen nach der InnoTrans wurde er auf einem Abstellgleis in Hannover gefunden. Er wurde dort beim Antransport zum Sammelbahnhof abgestellt und einfach vergessen. Jede InnoTrans bringt neue spannende Geschichten. Ich freue mich schon sehr auf die der InnoTrans 2022.