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Mobilitätswende ist zentrale Aufgabe

Mai 2021

Mobilitätswende ist zentrale Aufgabe
Eva Kreienkamp - Vorstandsvorsitzende der BVG

Interview mit Eva Kreienkamp Vorstandsvorsitzende der BVG

Eva Kreienkamp ist seit 1. Oktober 2020 Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Deutschlands größtem Nahverkehrsbetreiber. Die Diplom-Mathematikerin Kreienkamp war zuvor fünf Jahre lang bei der Mainzer Verkehrsgesellschaft, und dort unter anderem verantwortlich für das Konzept „Mainzer Mobilität 2030“, sowie als Geschäftsführerin der CityBahn GmbH tätig. Seit vielen Jahren engagiert sich Eva Kreienkamp für mehr Diversität in Unternehmen und ist Gründungsmitglied des Vereins „FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte“.

Frau Kreienkamp, am 1. Oktober 2020 haben Sie Ihre neue Aufgabe als Vorstandsvorsitzende der BVG aufgenommen, mitten in der Corona-Zeit. Durch die Pandemie sind die Passagierzahlen massiv gesunken, neben Homeoffice scheinen die Menschen stärker auf den Individualverkehr zu setzen. Inwiefern haben sich durch das Virus Ihre kurz- und mittelfristigen Vorhaben bei der BVG geändert?

Eva Kreienkamp: Die Pandemie ist für uns alle eine Herausforderung. Wir fahren trotz deutlich geringerer Nachfrage das volle Programm, damit unsere Fahrgäste in den Bussen und Bahnen soviel Abstand wie möglich halten können. Die Menschen in Berlin nehmen sehr gut wahr, dass sie sich auch in diesen Zeiten auf uns verlassen können. Ich bin deshalb überzeugt, dass die Fahrgastzahlen mit einem Abklingen der Pandemie auch wieder deutlich steigen werden, wenn wir die Qualität bieten, die die Menschen von uns erwarten. Das heißt auch, dass wir bestimmte Faktoren anpassen müssen. Die Arbeitsbedingungen, aber auch das Freizeitverhalten werden sich nachhaltig verändern. Darauf müssen wir reagieren – mit passgenauen Angeboten und Ticketarten. Darüber führen wir bereits sehr konstruktive Gespräche im Verkehrsverbund. Bei den längerfristigen Vorhaben sind viele Weichen zu Recht längst auf Wachstum gestellt. Denn – das dürfen wir trotz Corona nicht vergessen – es gibt mit dem Klimawandel ein Thema, das uns noch viel länger und intensiver beschäftigen wird. Die Mobilitätswende ist eine der zentralen Aufgaben. Ein guter und klug vernetzter Nahverkehr ist gerade für die Metropolen der Schlüssel für eine lebenswerte Zukunft. Diese Zukunft wollen wir als BVG ganz aktiv mitgestalten. Dafür brauchen wir eine moderne Fahrzeugflotte ebenso wie eine leistungsfähige Infrastruktur und – nicht zuletzt – viele gut ausgebildete und motivierte Kolleg*innen, die diesen Weg gemeinsam mit uns gehen wollen.

Verkehrswende, Digitalisierung und stetig wachsende Städte mit teils enormen Metropolregionen – das betrifft auch Berlin. Was kommt damit auf die BVG mit einem Zeithorizont von zehn Jahren zu?

Eva Kreienkamp: Verkehrsunternehmen denken von jeher in langen Zeiträumen. Unsere Vorfahren haben mit Mut und Weitblick ein Nahverkehrssystem geschaffen, von dem wir in Berlin heute noch profitieren. Wir stehen in der Pflicht, unseren Nachkommen ein System zu hinterlassen, das für die Herausforderungen und Chancen der Zukunft maßgeschneidert ist. Deshalb läuft jetzt die Beschaffung an, um unsere Flotten bis weit in die 2030er-Jahre konsequent zu modernisieren. Deshalb werden in Berlin neue Strecken für die Straßenbahn und vielleicht bald auch wieder für die U-Bahn geplant und gebaut. In zehn Jahren werden unsere U- und Straßenbahnen schon zu großen Teilen Neufahrzeuge sein und unsere Busse werden elektrisch unterwegs sein. Es wird neue Strecken und Linien geben. Und – das liegt mir besonders am Herzen – die BVG wird noch ein ganzes Stück digitaler sein. Mit unserer Plattform Jelbi zeigen wir schon jetzt, welche Möglichkeiten die Digitalisierung für eine vernetzte Mobilität bietet. Auf diesem Weg wollen und werden wir weitergehen – bei den Verkehrsangeboten, aber auch im Vertrieb und bei der Fahrgastinfo.

Zuvor waren Sie bei der Mainzer Verkehrsgesellschaft. Was ist bei der BVG, abgesehen von der Größe und dem Vorhandensein von U-Bahnen, der größte Unterschied und wie zeigt er sich?

Eva Kreienkamp:Tatsächlich gibt es viel mehr Gemeinsamkeiten. Jedes Verkehrsunternehmen lebt zuallererst von den Menschen, die mit Leidenschaft und Know-how rund um die Uhr für ihre Fahrgäste das bestmögliche Angebot auf die Straße und die Schiene bringen. An der Spitze eines so starken Teams zu stehen, ist ein Privileg. Der größte Unterschied zwischen Mainz und Berlin ist sicher die öffentliche Wahrnehmung. Die BVG ist nun einmal das größte Nahverkehrsunternehmen in Deutschland. Das verleiht uns unweigerlich Gewicht. Alles, was wir tun, steht sehr viel stärker als anderswo im Fokus der Öffentlichkeit.