Neuheit aus den Niederlanden: Bahnschwellen aus Bambus
Dragon Wood Rail nutzt schnell wachsenden und klimafreundlichen Bambus als Alternative zu Holz und Beton im Gleisbau.

DragonWood Rail präsentierte auf der InnoTrans Bambus-basierte Lösungen für eine nachhaltige und langlebige Bahninfrastruktur. Foto: Messe Berlin
Lars Lamet ist zum ersten Mal auf der InnoTrans – und mit seinem Stand mehr als zufrieden: Jeder Gast, der die Halle 5.2 betritt, muss an ihm und seiner Firma Dragon Wood Rail vorbei. Viele bleiben stehen, denn Bahnschwellen aus Bambus sind in Europa noch weitgehend unbekannt.
Die Idee für das Unternehmen kam Lars Lamet und seinem Geschäftspartner Thomas Lambooij vor sechs Jahren. Beide hatten zuvor für ein Schwertransportunternehmen gearbeitet und viel mit tropischem Hartholz zu tun. So lernten sie die außergewöhnlichen Eigenschaften von Bambus kennen. Das Grasgewächs speichert fünfmal so viel CO₂ wie Bäume, lässt sich vollständig recyceln und kommt ohne Schadstoffe aus.
Positive Klimabilanz
„Obwohl wir unseren Bambus aus China nach Europa importieren, kommen wir trotzdem auf eine positive Klimabilanz, da Bambus mehr CO₂ speichert, als der Transport verursacht“, rechnet Lars Lamet vor.
Über die gesamte Lebensdauer betrachtet, sei das Bambusmaterial zudem günstiger als Holz, da die Bahnschwellen bis zu 40 Jahre und damit doppelt so lange wie herkömmliches Holz halten, verspricht Lamet. Beton oder Kunststoff seien zwar kostengünstiger, hätten aber eine schlechtere CO₂-Bilanz. „Mit unserem Bambus kann die Strecke zu einer Kohlenstoffsenke werden, anstatt CO₂ zu emittieren“, wirbt der Gründer.
Seine Stabilität erhält das Bambuskomposit von Dragon Wood Rail durch ein spezielles Verarbeitungsverfahren. Dabei wird der hohle Stamm zunächst in schmale Streifen zerlegt. Anschließend werden diese mit Dampf behandelt, um dem Bambus die Nährstoffe zu entziehen und ihn so vor Insektenfraß zu schützen. Im nächsten Schritt wird das Material getrocknet und mit einem Harz zu Blöcken gepresst. Die Stabilität und Eignung für den Bahnbetrieb haben Wissenschaftler:innen der Universität München bestätigt.
Brücke aus Bambus
In Kolumbien kommt das Kompositmaterial bereits im Brückenbau zum Einsatz. Nicht nur die Nachhaltigkeit hat dort überzeugt, sondern auch die Stabilität und das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu Beton. Holzschwellen werden in dem südamerikanischen Land häufig von Termiten zerfressen, Bambus hingegen würden die Schädlinge nicht anrühren, erklärt Lars Lamet.
Momentan suchen er und sein Geschäftspartner nach kolumbianischen Plantagen, um ihr Material künftig lokal herzustellen. Auch mit Produzenten in Spanien und Portugal führe er Gespräche. Bislang verfügten die europäischen Anbieter jedoch nicht über ausreichende Mengen.
Von der InnoTrans erhofft sich Lars Lamet, mit potenziellen Kunden ins Gespräch zu kommen. „Wenn wir wissen, was sie benötigen, können wir gemeinsam passende Produkte entwickeln“, stellt er in Aussicht. Sein Bambuskomposit könnte beispielsweise auch im Lärmschutz oder bei Weichen zum Einsatz kommen.
Für die kommenden Jahre hat sich Dragon Wood Rail vorgenommen, die Produktion weiter zu optimieren und neben dem südamerikanischen auch den europäischen Markt zu erschließen.