„Eisenbahn ist Mannschaftssport“
In Cottbus, Deutsche Bahn and the university are jointly training specialists in rail infrastructure. The project is bolstering the Lusatia region as it undergoes structural change and demonstrates

Vertreter der Deutschen Bahn, der BTU Cottbus-Senftenberg und des Eisenbahn-Bundesamtes kamen auf der DB Stage zusammen, um die neue Zusammenarbeit zur Ausbildung von Fachkräften für die Schieneninfrastruktur vorzustellen. Foto: Messe Berlin
Jahrzehntelang lebte die Lausitz in Ostdeutschland von Kohleförderung und Kohlekraftwerken. Nun steht die Region vor einem massiven Strukturwandel: Nachdem die Bundesregierung beschlossen hat, dass Deutschland bis 2038 aus der Braunkohle aussteigen soll, wird die Lausitz mit milliardenschweren Fördergeldern dabei unterstützt, sich als Wirtschaftsregion neu zu erfinden.
Die Ambitionen sind groß: Die Lausitz hat sich zum Ziel gesetzt, Europas erstes Net Zero Valley zu werden – eine Modellregion für umweltfreundliche Technologien.
Das ist nicht nur technologisch eine 180-Grad-Wende vom fossilen Energiezentrum zur Innovationsschmiede. Die dünn besiedelte und wirtschaftlich schwache Region muss dafür auch viele spezialisierte Fachkräfte gewinnen – unter anderem für die Bahninfrastruktur. Denn der Schienenverkehr gilt als ein entscheidender Schlüssel für den Strukturwandel.
Dualer Studiengang mit Lehrkräften aus der Praxis
Auf der InnoTrans 2026 war deshalb die Freude groß, als auf der Forumbühne der Deutschen Bahn verkündet wurde, dass die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) ihren Studiengang Bauingenieurwesen um einen neuen Schwerpunkt erweitert: Ab sofort können sich Studierende dort in einem dualen Studium auf den Bereich Schieneninfrastruktur spezialisieren.
Die Universität entwickelt die Studieninhalte gemeinsam mit der Deutschen Bahn und dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA). Zum Start stehen vier Wahlpflichtmodule zur Verfügung, für die die Deutsche Bahn zudem Lehrkräfte aus der Praxis entsendet.
Es sei sensationell, dass Universität, Bahn, Politik und Verwaltung gemeinsam diese Vereinbarung gefunden hätten und sowohl die Deutsche Bahn als auch andere Unternehmen so viele Lehrkräfte einbrächten, sagte Prof. Dr. Gesine Grande, Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg, der einzigen Technischen Universität des Landes Brandenburg.
In den Verhandlungen zwischen Wissenschaft und Industrie seien zwei Welten aufeinandergetroffen, die sich zwei Jahre lang mit Geduld und Respekt angenähert und viel voneinander gelernt hätten. Das Ergebnis sei „eine absolute Win-Win-Situation“.
Ministerpräsident Woidke: Von Cottbus lernen, wie Tempo geht
„Cottbus ist ein sehr gutes Beispiel, wie wir mit Bahnprojekten in Zukunft schneller vorankommen können“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke.
Schon das neue Bahn-Instandhaltungswerk Halle 2 habe vom Projektstart bis zur ersten Wartung eines ICE nur 600 Tage gebraucht. Aus diesen Projekten könne man lernen, dass sich qualitativ hochwertige Vorhaben schnell realisieren lassen – unter einer Bedingung: „Das schafft man nur, wenn man sich zusammensetzt.“
In Brandenburg „haben wir es in einer Task Force gemacht“, mit einem offenen Umgang, der gemeinsamen Konzentration auf Ziele und dem Lösen von Problemen. Im Februar 2027 soll in Cottbus das größte Instandhaltungswerk der Bahn in Deutschland in Betrieb gehen – Halle 2 und 1. Dort sollen bis zu 1.200 Arbeitsplätze entstehen.
„Eisenbahn ist Mannschaftssport“, sagte Martin Seiler, Vorstand Personal und Recht der Deutschen Bahn AG. Cottbus habe eine Bahntradition, die nun wiederbelebt werde. Zugleich sei die BTU sehr international aufgestellt, wodurch die Deutsche Bahn mit jungen Menschen in Kontakt komme, „die wir hier gut integrieren und entwickeln können“.
Cottbus sei damit ein Musterbeispiel auch für andere Bereiche und Regionen.

Martin Seiler (rechts), Vorstand Personal und Recht der Deutschen Bahn AG, im Gespräch mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (links) auf der InnoTrans. Foto: Messe Berlin

Auf der DB Stage diskutierten Vertreter aus Bahnbranche, Wissenschaft und Verwaltung über die Ausbildung künftiger Fachkräfte für die Schieneninfrastruktur. Foto: Messe Berlin